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Mindestens 30 e-mails am Tag sind die Regel

Marino Schwedhelm steht im dritten Jahr an der Spitze des Internet-Vereins "Bürgernetz Ingolstadt"

Von unserem Redaktionsmitglied Günther Rehrn

Ingolstadt (DK) Er scherzt. Oder etwa doch nicht? Marino Schwedhelm, 38 Jahre alt, gebürtiger Niedersachse, Wahl-Ingolstädter und Vorsitzender des Vereins "Bürgernetz Ingolstadt", kurz "Bingo" genannt, also der Mann, der seit zwei Jahren maßgeblich daran beteiligt ist, daß mittlerweile fast 1300 Internet-Fans aus der Region Mitglied bei "Bingo" sind, dieser Mann kapituliert vor den Computerspielen seines achtjährigen Sohnes Dennis? Ja. Unglaublich, aber wahr. "Ich kann heute noch nicht mit den Dingern umgehen", sagt Marino Schwedhelm amüsiert lachend und deutet auf das halbe Dutzend Spiele, das auf dem Wohnzimmer- teppich liegt "wenn die Kids spielen, halte ich mich da besser raus".
Beim Internet hält er sich zum Glück für alle, die sich fürs weltweite Computernetz interessieren, nicht raus.

Mit Maus und "bingo" ab ins weltweite Computernetz: Marino Schwedhelm. Foto: Herbert

Daß er das tut, hängt allerdings weniger damit zusammen, daß der 38jährige selbst gerne im Internet "surft", wie das ein Großteil der Benutzer und Benutzerinnen oft stundenlang macht. Vielmehr war es der technische Aspekt, der den Diplom-Ingenieur (Fachrichtung Fahrzeugbau) reizte. Und er, der bei Audi für das konzerninterne Netz und Neue Medien zuständig ist, wollte Uberzeugungsarbeit leisten: "Viele sind dem Internet viel zu skeptisch gegenübergestanden. Ich wollte die Leute dazu bringen, sich damit auseinanderzusetzen." Denn Sätze wie "Das hatte ich 20 Jahre nicht. Das brauche ich mein Leben nicht mehr" findet Marino Schwedhelm, dessen Begeisterung für Computer durch die Diplomarbeit geweckt wurde, "nicht so o. k.".

13 Gleichgesinnte waren es, die "bingo" am 11. 11. 1995 aus der Taufe hoben - mit Vereinen hatte Schwedhelm bis zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich viel am Hut. "Früher war ich mal im Fußballverein. Das ging gar nicht anders. Aber das war nicht lange und nicht richtig. Das war nicht so mein's", erzählt er, schränkt aber ein, "für manche Dinge ist es das Sinnvollste, es in einem Verein zu machen". Daß er dann prompt zum Vorsitzenden gewählt wurde, "hat sich so entwickelt". Großen Wert habe er darauf nicht gelegt, sagt er ohne eine Spur Arroganz, "wichtig war für mich, etwas voranzutreiben". Insofern ist es keine Drohung, wenn er in bezug auf sein Engagement bei "bingo" sagt: "Wenn ich sehe, es geht nichts mehr voran, wird mich da auch nichts halten."

Doch nach Stagnation sieht's derzeit überhaupt nicht aus, und deshalb hat sich Schwedhelm vor kurzem für weitere zwei Jahre wählen lassen- "ich hab da noch so ein paar Sachen, die ich umsetzen möchte". Zum einen will er mehr Gewicht auf die Öffentlichkeitsarbeit legen, verstärkt Schulungen, Info-Veranstaltungen und Seminare anbieten. Denn: "Ich messe den Erfolg nicht allein an der Mitgliederzahl, sondern daran, wie bekannt wir sind und welche Beachtung man uns beimißt."

Zum anderen gilt es, die Geschäftsstelle in der Wagnerwirtsgasse 18 einzurichten: Bisher muß Schwedhelms Büro im Keller seines Hauses als Geschäftsstelle herhalten -Ehefrau Kerstin kümmert sich (mindestens) zweimal in der Woche für mehrere Stunden ums Vereinstelefon. Hinzu kommen 30 bis 50 E-mails, also via Internet verschickte Nachrichten, die Schwedhelm pro Tag erhält. "Der Verein bestimmt ziemlich stark mein privates Leben", sagt er, sichtlich froh, daß die Zweck-Wohngemeinschaft mit "bingo" bald aufgelöst wird. Dann muß der 38jährige sein Büro nur noch mit Tom und Jerry teilen - den beiden Katern.